27. Juli 2021

Was ist eigentlich taktiles Feedback und wie wird es gestaltet?

Der Tastsinn wird meist an letzter Stelle aufgezählt, doch weiß jeder der schon einmal im Dunkeln nach dem Lichtschalter gesucht hat um dessen Stellenwert. Längst hilft er uns aber nicht bloß im Umgang mit Knöpfen und Schaltern, sondern lässt uns auch neue Nachrichten auf dem Smartphone erfühlen und erhöht die Sicherheit am Steuer. 

Der 5. Sinn, welcher auch als taktile Wahrnehmung bezeichnet wird, ermöglicht uns durch Rezeptoren in der Haut Informationen über Materialität, Struktur, Temperatur und selbst kleinste Bewegungen zu Erfahren. So können wir z. B. beim Trinken einer Tasse Kaffee spüren, ob es sich um Keramik handelt, wie eng wir zufassen müssen, an welcher Stelle der Henkel aufliegt oder er schon kalt geworden ist. 

Taktiles Feedback ist Bestandteil einer jeden Interaktion mit einem physischen Gegenstand. Mittlerweile sind z. B. die Vibration des Smartphones oder des Spielcontrollers essentieller Bestandteil und nicht mehr weg zu denken. Trotz des Erfolgs in einigen wenigen Anwendungen wird es jedoch meist in der Gestaltung von Interaktionen vernachlässigt. Ein Grund hierfür ist der komplexe Gestaltungsprozess und die eingeschränkte Auswahl an Werkzeugen und Leitfäden. Eine erfolgreiche Umsetzung setzt nämlich eine breite Kenntnis von der physiologischen Wahrnehmung, Mechanik der Aktuatoren oder auch der Programmierung des Feedbacks voraus. Innerhalb unseres Teams, greifen diese Bausteine ineinander und ermöglichen uns die Anwendung von taktilem Feedback zu erforschen um Interaktionen intuitiver, immersiver und auch inklusiver zu gestalten. 

Thomas Müller vom Technischen Design der TU Dresden hat in seiner Masterthesis „Designing with haptic feedback“ eine Lösung entwickelt, welche Designern, Forschern und Entwicklern den Umgang mit taktilem Feedback erleichtert. Das Ergebnis ist Hapticlabs.io. Die Kombination aus Online-Wissensdatenbank und Prototyping-Toolkit bietet Alles, was man für einen schnellen Einstige benötigt. Auf der Website werden Hintergrundinformationen leicht verständlich aufbereitet, Designprizipien für den Gestaltungsprozess bereitstellt und Anwendungsbeispielen aufgezeigt.

Essentiell im Umgang mit taktilem Feedback ist es, dieses im realen Kontext zu erfahren und zu evaluieren. Der zweite Baustein von Hapticlabs ist deshalb ein Prototyping-Toolkit, bestehend aus einer App zur intuitiven Gestaltung und einer zugehörigen Plug & Play-Hardware zum Abspielen des Feedbacks. Hiermit kann taktiles Feedback nicht nur innerhalb weniger Minuten gestalten, sondern auch in wenigen Schritten direkt in Nutzertests evaluiert werden – ganz ohne eine Zeile Code oder Lötzinn. 
-> Zum Originalbeitrag des Technischen Designs der TU Dresden.


Bild ©TU Dresden, Technisches Design (td).

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