3. April 2020

Ablage im Auto per Fingerzeig formen

Werden Ablageflächen im Auto nicht genutzt, sind sie wahre Staubfänger. Ohne sie wird es jedoch auch schwierig: Wo sonst sollte man Sonnenbrille, Taschentücher und Parkscheibe verstauen? Eine neuartige Ablagefläche des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU versteckt sich im Armaturenbrett und bildet sich nur dann, wenn sie benötigt wird. Besonders praktisch ist das bei Car-Sharing-Fahrzeugen.

Die Entscheidung, welches Auto man kauft, hängt zu einem gewissen Teil vom Interieur ab. Sind beispielsweise die Ablagefächer so positioniert, wie man sie selbst als praktisch empfindet? Leiht man sich jedoch ein Auto über Car Sharing, hat man dagegen wenig Einfluss auf die Ausgestaltung des Innenlebens. Experten vermuten, dass sich langfristig ein deutlicher Trend zum Car Sharing zeigen wird. Wie, fragen sich daher Autohersteller, lässt sich das Innenleben von Autos individuell gestalten – also an die Wünsche des jeweiligen Nutzers anpassen?

Eine Handbewegung – und die Ablage formt sich aus
Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU entwickelten gemeinsam mit dem Automobilzulieferer Brose Fahrzeugteile eine Ablage, die sich im Armaturenbrett verbirgt und nur bei Bedarf ausformt. Verlässt der Fahrer das Auto wieder und hat er etwas darin vergessen, wird er durch Formänderungen der Ablage an den vergessenen Inhalt erinnert. „Die Bewegung beruht auf einer Faltstruktur – ähnlich wie beim Origami – sowie Formgedächtnislegierungen“, verrät Lukas Boxberger, Gruppenleiter am Fraunhofer IWU. „Das Besondere an solchen Formgedächtnislegierungen: Sie lassen sich deformieren und bleiben in dieser Form, kehren bei Erhitzung jedoch wieder in ihre ursprüngliche Geometrie zurück.“

Fleischfressende Wasserpflanze als Vorbild
Bei der Ablage geht das folgendermaßen vonstatten: Bewegt der Nutzer seine Hand über die entsprechende Stelle des Armaturenbretts, wird dies von einem Sensor registriert. Daraufhin setzt sich der Automatismus in Gang: Für einen kurzen Moment fließt ein Strom durch die Drähte aus einer Formgedächtnislegierung, die jeweils die benachbarten Ecken des quadratischen Ablagebereiches miteinander verbinden. Die Drähte erhitzen sich und ziehen sich wieder in ihren Ursprungszustand zusammen. Die vier Ecken werden also gleichmäßig Richtung Mitte des quadratischen Bereichs gezogen, der innere Teil wird nach unten gedrückt: Es entsteht eine Art Schale. „Das Faltprinzip ist von einer fleischfressenden Wasserpflanze inspiriert“, erläutert Boxberger. Leert der Nutzer das Fach wieder – oder legt er erst gar nichts hinein – geht die Schale wieder in den flachen Zustand über. „Strom fließt nur dann durch die Drähte, wenn sich das Ablagefach verformt“, betont Boxberger. Das System ist äußerst robust: Drei Millionen Bewegungszyklen durchläuft es ohne auffallende Ermüdung. Einen Demonstrator haben die Experten bereits per 3D-Druck realisiert.

Mehr dazu, etwa über das geplante industrielle Herstellungsverfahren, lesen Sie in den Nachrichten des Fraunhofer IWU.


Foto ©Fraunhofer IWU: Formflexible Fläche – mehrlagiger Folienaufbau mit integrierter Aktorik, Sensorik und Reglungselektronik.

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