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Materialforschung im Bierkeller

Am 28. Juni 2017 wurde im Felsenkeller, einer ehemaligen Bierlagerstätte, Richtfest für das Beschleunigungslabor von Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und TU Dresden gefeiert. 45 Meter unter der Erde und damit abgeschirmt von kosmischer Höhenstrahlung sollen künftig die Vorgänge im Inneren von Sternen und der Sonne nachgestellt werden. Was passiert bei nuklearen Fusionsreaktionen, wenn Atomkerne mit extrem hoher Geschwindigkeit aufeinandertreffen, verschmelzen und dabei schwerere Elemente - die Bausteine des Lebens - entstehen? Genau darüber soll die Forschung am ersten Untertage-Beschleuniger Deutschlands Aufschluss geben.

Um die empfindlichen Messungen nicht zu stören, wurde zusätzlich noch eine dicke Schicht strahlungsarmer Beton in die zwei Stollen des ehemaligen Eislagers der Felsenkeller-Brauerei gegossen, denn die Strahlung des Felsgesteins selbst würde die präzisen Messungen beeinflussen. Nun steht jedoch einer sensitiven Materialforschung, die zu wichtigen Erkenntnissen für die internationale Forschergemeinschaft führt, nichts mehr im Wege. Für die verantwortlichen Forscherteams, um Professor Karl Zuber, TU Dresden, und Dr. Daniel Bemmerer vom HZDR wurde ein gelebter Forschungstraum wahr. Bis zum Jahresende sollen alle benötigten Geräte im Felsenkeller installiert sein und die intensive Forschungsarbeit beginnen. Viele Kollegen aus dem In- und Ausland meldeten sich schon zu einem Gastaufenthalt an, um die seltene Anlage unter diesen besonderen Bedingungen zu nutzen. Das Projekt wurde insbesondere auch durch die enge Zusammenarbeit von TU Dresden und HZDR im Rahmen von DRESDEN-concept – eine besondere Verzahnung der universitären und außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen in der Dresdner Forschungskultur – möglich.

Das Ereignis um die Einweihung ließ sich auch Athur McDonald nicht nehmen, der für seine Entdeckung von Neutrino-Oszillationen gemeinsam mit Takaaki Kajita 2015 den Nobelpreis für Physik erhielt. Denn für ihn beginnt moderne Materialforschung auch mit dem Wissen um die Ursprünge des Universums, wie er in seiner Festrede betonte. Mit dem Entdecken, was im Inneren von Sternen passiert und somit Leben erst entstehen lässt. Oder um es mit Goethe zu sagen: Mit dem Wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält".

Erfahren Sie mehr zum ersten Untertage-Beschleuniger Deutschlands und den geplanten Forschungsarbeiten in der Pressemitteilung von TU Dresden und HZDR.

Foto ©TU Dresden: Feierliches Richtfest für das Beschleunigerlabor im Felsenkeller. Dirk Hilbert, Prof. Peter Joehnk, Prof. Hans Müller-Steinhagen, Dr. Eva-Maria Stange, Nobelpreisträger Prof. Arthur McDonald und Dr. Michael Stötzel durchschneiden symbolisch das rote Band am Eingang des Felsenkellerlabors.