12. März 2020

INFACT-Flug über andalusisches Gebiet im Auftrag der Forschung

Freiberger Forscher bewerten Leistungsfähigkeit umweltschonender Rohstofferkundung.

Auf dem südlichen Referenzgebiet des EU-Projektes INFACT (Innovative, Non-Invasive and Fully Acceptable Exploration Technologies) im spanischen Andalusien testen die Firmen SkyTEM und CGG Multi-Physics derzeit neue Methoden der umweltschonenden Rohstofferkundung. Per Helikopter und elektromagnetischer Sonde befliegen sie dafür das Gelände, das rund 400 Quadratkilometer umfasst. Anhand der gesammelten Daten können die INFACT-Forscher im Anschluss überprüfen, ob die eingesetzten Sensoren erwartungsgemäß arbeiten. Dafür gleichen sie die Ergebnisse mit den vorhandenen, geologischen Informationen ab. Das Projekt INFACT wird vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) – einem Institut am HZDR – koordiniert.

„Unser Ziel ist es, die Exploration mineralischer Rohstoffe in Europa wieder attraktiver zu machen“, erklärt Dr. Richard Gloaguen, Abteilungsleiter am HIF und INFACT-Projektleiter. „Dafür müssen wir einerseits neuartige Technologien entwickeln, mit denen wir Erzlagerstätten schonender und nachhaltiger erschließen können. Zum anderen geht es uns darum, das öffentliche Bewusstsein und die gesellschaftliche Akzeptanz für die moderne Erkundung zu steigern.“ Aus Sicht des Freiberger Forschers passt das Vorhaben mit SkyTEM und CGG Multi-Physics – zwei führenden Unternehmen auf dem Feld der luftübertragenen, nicht-invasiven geophysikalischen Datengewinnung – perfekt zu diesen Plänen.

„Auf unserem Referenzgebiet können die beiden Firmen unter realitätsnahen Bedingungen neue Systeme erproben, bevor sie sie auf bisher unerforschtem Gelände einsetzen“, erzählt Richard Gloaguen. „Da wir die geologischen Daten hier bestens kennen, können wir genau bewerten, ob die Messungen stimmen. Ob also die Sensoren tatsächlich die richtigen Ergebnisse abliefern.“ Aber auch aus sozioökonomischem Blickwinkel ist das Gebiet äußert interessant, erläutert der Geophysiker: „Darauf befinden sich zwei aktive Kupferminen, Rio Tinto und Cobre Las Cruces, die die INFACT-Projektpartner Atalaya Mining und First Quantum betreiben. In der Region gibt es deshalb eine lange Bergbautradition. Wir können hier also gleichzeitig untersuchen, wie die neuartigen Methoden gesellschaftlich angenommen werden.“

Verräterische Signale aus dem Untergrund
Etwa vier Wochen begibt sich der Helikopter, an dem eine Sonde mit 40 Meter Durchmesser hängt, in den Himmel über Andalusien. Auf diese Weise testen SkyTEM und CGG Multi-Physics in einer bekannten geologischen Umgebung die Leistungsfähigkeit neuer Prototypen von Sensoren, die die Eindringtiefe in den Untergrund und die Auflösung der gewonnenen Daten verbessern sollen. Das grundlegende Prinzip beruht auf elektromagnetischen Signalen, die die Sonde aussendet und empfängt. Die Experten erhalten so Informationen über die elektrische Leitfähigkeit des Untergrunds, was ein Anzeichen für mögliche Erzkörper und damit Rohstoffvorkommen ist. „Im Gegensatz zur klassischen Erkundung, die ja auf Probebohrungen setzt, verringern wir mit diesem komplett harmlosen Verfahren die Umwelt- und Lärmbelastung deutlich“, versichert Gloaguen.

Indem sie solche Methoden und Prozesse vorantreiben, wollen die INFACT-Projektpartner Europa langfristig als Standort für die aktive Rohstofferkundung wiederbeleben und zur Versorgungssicherheit der Industrie mit wichtigen Hochtechnologiemetallen beitragen. Durch einen intensiven Dialog mit der Zivilgesellschaft wollen sie darüber hinaus Vertrauen in die Rohstoffwirtschaft aufbauen.

Auf der Grundlage wollen die 17 Partner ein gemeinsames Verständnis der besten Praktiken bei der Erkundung entwickeln und anschließend verbreiten. Die EU fördert das Vorhaben seit November 2017 mit 5,6 Millionen Euro aus dem Rahmenprogramm Horizon 2020. Es läuft noch bis Oktober dieses Jahres.

Referenzgebiete in Nord-, Süd- und Mitteleuropa
Neben Südspanien hat INFACT zwei weitere Regionen als geeignete Referenzgebiete etabliert. So liegt im hohen Norden Finnlands, etwa 150 Kilometer oberhalb des Polarkreises, Sakatti: eine weitgehend erkundete, aber bisher nicht in Abbau befindliche Lagerstätte für Kupfer-Nickel-Platingruppenelemente. Im Zentrum der Region Mitte befindet sich Geyer. Die Kleinstadt im Erzgebirge hat eine lange Bergbaugeschichte. Bekannt sind Vorkommen an Zinn, Zink, Wolfram, Molybdän, Kupfer, Eisen, Silber und Indium. Ausgewählt hatten die Experten diese Gebiete anhand vielfältiger sozialer, physikalischer und technischer Herausforderungen, die bei der Erkundung von Rohstoffen eine Rolle spielen können.

Weitere Informationen zu INFACT erhalten Sie auf den Seiten des HZDR.


Foto INFACT/Leila Ajjabou: Freiberger HZDR-Forscher testen derzeit in Andalusien nicht-invasive Explorationsmethoden.

Das könnte Sie auch interessieren

12. Feb 2020

Additiv gefertigtes Raketentriebwerk mit Aerospike-Düse für…

Microlauncher sind eine Alternative zu herkömmlichen Trägerraketen. Die mittelgroßen Transportsysteme können Nutzlasten bis 350 Kilogramm befördern. Künftig sollen sie kleine…

WEITERLESEN

10. Okt 2018

Mikro-Energiesammler für IoT

Dünne organische Schichten können Maschinen und Geräten neue Funktionen verleihen. Zum Beispiel ermöglichen sie winzig kleine Energierückgewinner. Die sollen in…

WEITERLESEN

07. Mrz 2018

Wandel – Prognose – Transfer: FOREL-Studie…

Das Forschungs- und Technologiezentrum für ressourceneffiziente Leichtbaustrukturen der Elektromobilität (FOREL) hat unter dem Titel „Ressourceneffizienter Leichtbau für…

WEITERLESEN