18. Oktober 2018

EARTO Innovation Award für „Multiorgan-Chip“

Weniger Tierversuche in absehbarer Zeit? Das ist eines der Ziele des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik IWS.  Um es zu erreichen, forschen die IWS-Wissenschaftler an einem sogenannten „Multiorgan-Chip“. Dieser Chip simuliert sowohl den Blutkreislauf als auch die Organe von Tieren oder Menschen. Für die Multiorgan-Chip-Entwicklung wurden die Forscher um Dr. Udo Klotzbach nun in Brüssel als Drittplatzierte in der Kategorie „Impact Expected“ mit dem „EARTO Innovation Award 2018“ ausgezeichnet.

Der Multiorgan-Chip ist ausgestattet wie ein Mikrolabor. Das soll der Industrie helfen, neue Medikamente und Kosmetika zügiger als bisher zu entwickeln. Was aber noch wichtiger ist: Dieses Mikrolabor macht sehr viele Tierversuche überflüssig! So schätzt jedenfalls Herr Klotzbach, Geschäftsfeldleiter Mikrotechnik am Fraunhofer IWS, die Chipentwicklung ein. Denn auf dem langen Weg bis zur Marktzulassen von Medikamenten und Kosmetika könnten an vielen Stellen die Tierversuche durch das Simulieren und Auswerten der im Körper ablaufenden Prozesse ersetzt werden. Dazu befüllen die Anwender aus der Medizin, Pharmazie oder Schönheitsbranche die nachgebildeten „Organ-Kammern“ im Multiorgan-Chip zum Beispiel mit Zellen der Leber, des Herzens oder anderer Organe. Dann setzen sie den künstlichen Blutkreislauf in Gang und leiten ihren Testwirkstoff ein. Im Zusammenspiel zwischen den simulierten Organen können sie nun analysieren, wie ein Tier oder ein Mensch auf das neue Medikament oder das neue Schönheitspräparat reagieren würde.

Die Multiorgan-Chips bieten aber noch einen weiteren Vorteil: Sie öffnen ein Stück mehr die Tür zu einer individualisierten Medizin, in der Ärzte für jeden Patienten binnen Tagen die auf ihn abgestimmte Therapie ermitteln können. D.h. Unverträglichkeiten und langes Suchen nach dem passenden Medikament würden mehr und mehr der Vergangenheit angehören. Natürlich ist dies nicht heute und auch nicht morgen soweit, denn der menschliche Organismus ist bekanntlich hoch komplex. Aber die Wissenschaftler forschen mit Nachdruck daran, dass wir diesem Ziel jeden Tag einen Schritt näher kommen.

Erfahren Sie hier mehr zum Multiorgan-Chip des Fraunhofer IWS und welche nächsten Schritte die IWS-Wissenschaftler bereits planen.

Foto ©Fraunhofer IWS: Die Abbildungen zeigen, wie der Blutkreislauf im menschlichen Körper (links) vergleichen mit den Kanäle auf dem Multiorgan-Chip (rechts) Leber, Nieren sowie weitere Organe und Gewebe versorgen. Auf dem Chip können viele Zuflüsse einzeln durch Ventile (rote Pfeilsymbole) gedrosselt werden.

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